Ein Liveblog nach eigenem Maß, gebaut mit Opus 5.5

Grafik in Anthrazit und Gold mit vier Kennzahlen - 1 Prompt, 90 Minuten, 6.125 Zeilen Code in der ersten Fassung, 3 Websites - darunter die Zeile „Tickerwerk, gebaut mit Claude Opus 5.5“

Am 22. September hat Anthropic sein Sprachmodell Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet es bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau des bisherigen Spitzenmodells und kostet im Betrieb 40 Prozent weniger als der Vorgänger. Unabhängige Vergleiche stehen noch aus. Einen Tag nach der Veröffentlichung habe ich mit dem neuen Modell ein Liveblog-Werkzeug bauen lassen, das sich in meine eigene Arbeitsumgebung einfügt. Nach anderthalb Stunden lief die erste Fassung auf meinen drei Websites.

Programmieren in Alltagssprache

Für diese Art zu arbeiten hat sich ein Begriff durchgesetzt: Vibe Coding. Gemeint ist, dass man einer KI in Alltagssprache beschreibt, was man braucht, und das Modell den Code schreibt. Geprägt hat den Begriff Andrej Karpathy, früher KI-Chef bei Tesla und Gründungsmitglied von OpenAI. Er beschrieb im Februar 2025 eine Arbeitsweise, bei der man „vergisst, dass es den Code überhaupt gibt“. Der Wörterbuchverlag Collins hat Vibe Coding zum Wort des Jahres 2025 gewählt.

Mit Modellen wie Opus 5.5 entstehen auf diese Weise inzwischen vollständige Werkzeuge. Mein Auftrag passte in einen einzigen Prompt, ohne eine Zeile Code von mir.

Ein Werkzeug für einen redaktionellen Zweck

Ein Liveblog ist eine Seite, auf der eine Redaktion ein laufendes Ereignis Eintrag für Eintrag begleitet, von der Wahl bis zum Unwetter. Die gängigen Dienste dafür kosten eine monatliche Lizenz und sind am Handy mühsam zu bedienen. Ich wollte ein Werkzeug für meine drei Webseiten, Einträge vom Handy, auch als Sprachnachricht, und ein Team mit Rollen.

Bevor das Modell mit dem Bauen anfing, hat es recherchiert, was bei Liveblogs Stand der Technik ist und welche Funktionen andere Werkzeuge bieten. Einiges davon stand nicht auf meiner Liste, etwa ein Kasten mit den wichtigsten Entwicklungen für alle, die später dazukommen. Das Modell hat diese Funktionen in eigenem Code umgesetzt, passend zu meinen Seiten.

Nahtlos in der eigenen Umgebung

Mir kam es vor allem auf die Einbindung an. Tickerwerk, so heißt das Werkzeug, erscheint auf jeder meiner drei Seiten in deren Aussehen. Einträge schicke ich per Telegram, über denselben Chat, in dem ich auch meine Social-Media-Beiträge freigebe. Sprachnachrichten wandelt meine eigene Automatisierung in Text um. Ein gemietetes Programm hätte ich an meine Abläufe anpassen müssen, hier passt sich das Werkzeug an sie an.

Was mir beim Ausprobieren auffiel, war am selben Abend geändert, auf allen drei Seiten gleichzeitig. Einen Dienstleister musste ich dafür nicht einschalten. Diese Freiheit, ein Werkzeug jederzeit weiterzuentwickeln, macht für mich den Vorteil solcher Lösungen aus. Die Verantwortung für Pflege und Sicherheit liegt damit allerdings auch bei mir.

Für Betriebe zählt der Zuschnitt

Standardsoftware ist für einen breiten Markt gebaut. Wer sie nutzt, richtet seine Abläufe nach dem Programm. Mit Vibe Coding lässt sich in manchen Fällen ein Werkzeug schaffen, das die eigenen Abläufe abbildet und mit ihnen wächst. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie gut das Mietprogramm passt und wer das eigene Werkzeug später betreut. Diese Abwägung mache ich mit meinen Kunden, bevor gebaut wird. Wenn du wissen willst, wie das aussieht: Den Test-Liveblog vom ersten Abend kannst du dir ansehen.

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